Smart Glasses werden leistungsfähiger – und gleichzeitig immer unauffälliger. Mit „NoAI“ reagiert die Wetzlich Optik-Präzision GmbH auf eine Entwicklung, die technologisch fasziniert, aber neue Fragen zum Schutz der Privatsphäre und vertraulichen Informationen aufwirft. Aufkleber und Hinweisschilder sollen Unternehmen und Einrichtungen dabei unterstützen, bereits am Eingang klar zu kommunizieren: Smart Glasses mit Kamera – oder Aufnahmefunktion sind hier nicht erwünscht.
Die Wetzlich Optik-Präzision GmbH ist selbst technologiegetrieben. Als unabhängiger Brillenglashersteller mit Produktion in Deutschland beschäftigt sich das Unternehmen täglich mit neuen Werkstoffen, Produktionsverfahren und künstlicher Intelligenz. Auch Smart Glasses betrachtet Wetzlich keineswegs als grundsätzlich kritisch: Beim Sport, auf Reisen, bei der Navigation oder in vielen anderen Alltagssituationen bieten sie faszinierende Möglichkeiten.
Die entscheidende Frage beginnt für Wetzlich an einem anderen Punkt: Was passiert, wenn andere Menschen nicht mehr erkennen können, welcher Technologie sie gerade gegenüberstehen?
Wenn die Kamera aussieht wie eine ganz normale Brille
Bei einem Smartphone oder einer klassischen Kamera ist meist unmittelbar erkennbar, wenn jemand fotografiert oder filmt. Bei einer Brille ist das anders. Menschen schauen ihrem Gegenüber zunächst ins Gesicht – nicht in eine Kamera.
Doch Smart Glasses entwickeln sich optisch immer stärker in Richtung klassischer Brillen. Kameras, Mikrofone und KI-Funktionen werden in Fassungen integriert, die hinsichtlich Aussehen, Passform und Tragekomfort immer weniger von herkömmlichen Brillen zu unterscheiden sind.
Gerade aus Sicht eines Unternehmens aus der Augenoptik ist diese Entwicklung bemerkenswert. Eine Korrektionsbrille ist für Millionen Menschen ein selbstverständlicher Begleiter im Alltag. Niemand erwartet normalerweise, dass sich darin gleichzeitig eine Kamera, mehrere Mikrofone oder ein vernetztes Aufnahmesystem befinden.
Technisch ist diese Entwicklung beeindruckend. Gesellschaftlich stellt sie jedoch eine neue Frage: Muss alles, was technisch möglich ist, deshalb automatisch an jedem Ort akzeptiert werden?
Für Wetzlich lautet die Antwort hierauf: Nein.
Die Idee hinter NoAI
Die Idee für NoAI stammt von Thorsten Wagemann, Geschäftsführer der Wetzlich Optik-Präzision GmbH. Sein Ansatz: Wenn kamerafähige Brillen künftig immer weniger als solche zu erkennen sind, brauchen Unternehmen und Einrichtungen eine einfache Möglichkeit, ihre Regeln genauso sichtbar zu kommunizieren wie bei klassischen Foto- oder Aufnahmeverboten.
Aus diesem Gedanken entwickelte Wetzlich schließlich NoAI – ein unmittelbar verständliches Zeichen, das bereits vor dem Betreten eines geschützten Bereichs Orientierung schaffen soll.
NoAI steht dabei ausdrücklich nicht für eine generelle Ablehnung künstlicher Intelligenz. Im Gegenteil: Wetzlich beschäftigt sich selbst intensiv mit KI und sieht große Chancen in der Technologie. Technikbegeisterung bedeutet aus Sicht des Unternehmens jedoch nicht, jede Anwendung kritiklos in jedem Umfeld hinzunehmen.
Die Botschaft von NoAI ist deshalb bewusst konkret:
AI- und Smart Glasses mit Kamera- oder Aufnahmefunktion sind in diesem Bereich nicht erwünscht.
Eine klare Regel. Ein verständliches Symbol. Sichtbar, bevor ein sensibler Bereich betreten wird.
Das Problem ist längst nicht mehr theoretisch
Unabhängig von der Entstehung der Idee machte Wetzlich inzwischen auch selbst eine Erfahrung, die zeigt, wie real die Fragestellung bereits heute ist.
Besucher trugen im Unternehmen Smart Glasses, ohne dass die Brillen unmittelbar als solche erkannt wurden. Für einen produzierenden Betrieb ist das keine Nebensächlichkeit: Bei Wetzlich gibt es Maschinen, Fertigungsverfahren, Produktionsdaten, Entwicklungsprojekte, Kundendaten und vertrauliches Know-how.
Das Beispiel verdeutlich eine zentrale Herausforderung: Wenn erst im Nachhinein erkannt wird, dass sich in einem Raum möglicherweise eine Kamera befunden hat, ist es für klare Regeln bereits zu spät.
Wetzlich verfolgt deshalb einen einfachen Grundsatz:
Klare Regeln vorher sind besser als Diskussionen hinterher.
Von der Arztpraxis bis zur Produktionshalle
Das Thema betrifft weit mehr als Industrieunternehmen.
In Arztpraxen und Kliniken geht es um Patienten, Gespräche und medizinische Informationen. In Schulen, Schwimmbädern oder Umkleiden um Bereiche, in denen insbesondere Kinder und Jugendliche besonderen Schutz erwarten dürfen. In Banken können PIN-Eingaben und persönliche Daten betroffen sein, im Einzelhandel Kundengespräche oder noch nicht veröffentlichte Produkte und in Unternehmen interne Besprechungen, Entwicklungsprojekte und Produktionsverfahren.
Je länger man über mögliche Situationen nachdenkt, desto länger wird die Liste.
Und mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz geht es künftig möglicherweise um mehr als nur die Frage, ob ein Foto oder Video aufgenommen wird. Relevant wird auch, was KI-Systeme aus gesehenen und gehörten Informationen erkennen, ableiten, miteinander verknüpfen oder weiterverarbeiten können.
Besonders sensible Bereiche brauchen klare Regeln
Besonders wichtig ist Wetzlich der Schutz von Kindern und Jugendlichen. Sie können häufig kaum einschätzen, ob eine Kamera aktiv ist, welche Daten dabei entstehen und was anschließend mit diesen Informationen geschieht.
Aus Sicht des Unternehmens liegt es deshalb bei Erwachsenen und Institutionen, klare Schutzräume zu schaffen. Eine Umkleidekabine soll eine Umkleidekabine bleiben. Eine Arztpraxis sollte nicht darauf vertrauen müssen, dass vertrauliche Informationen schon nicht aufgezeichnet werden. Und ein Unternehmen sollte nicht erst reagieren müssen, wenn Produktionsverfahren oder interne Dokumente möglicherweise bereits erfasst wurden.
Reicht eine kleine Aufnahme-LED?
Einige Hersteller setzen auf eine Aufnahme-LED, die anzeigen soll, wenn Bilder oder Videos aufgenommen werden. Wetzlich hält diesen Ansatz grundsätzlich für sinnvoll – sieht darin allein aber keine ausreichende Lösung.
Das Gegenüber muss das Signal zunächst kennen, wahrnehmen und richtig interpretieren. In hellen Räumen, Menschenmengen oder aus größerer Entfernung ist das nicht selbstverständlich.
Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage:
Soll der Schutz der eigenen Privatsphäre tatsächlich davon abhängen, ob eine kleine Leuchte an der Brille eines anderen Menschen bemerkt wird?
Wetzlich ist überzeugt, dass technische Schutzmechanismen gesellschaftliche und organisatorische Regeln nicht ersetzen können.
Die Diskussion hat längst begonnen: Im August 2026 stellte die Menschenrechtsorganisation HateAid im Zusammenhang mit bestimmten Smart Glasses Strafanzeige und forderte stärkere Regeln gegen unbemerkte Aufnahmen.¹ Für Wetzlich zeigt das: Die Frage nach klaren Grenzen ist längst keine rein theoretische mehr.
Ein sichtbares Zeichen am Eingang
Mit NoAI möchte die Wetzlich Optik-Präzision GmbH deshalb ein einfaches und unmittelbar verständliches Zeichen etablieren.
Dabei geht es nicht darum, Besitzer von Smart Glasses unter Generalverdacht zu stellen. Die überwiegende Mehrheit wird solche Geräte verantwortungsvoll nutzen. Doch gerade beim Schutz von Privatsphäre, Patienten, Kindern, Mitarbeitern, Kunden oder Geschäftsgeheimnissen möchte Wetzlich nicht allein darauf vertrauen müssen.
Die Idee ist deshalb denkbar einfach:
Privatsphäre sollte geschützt werden, bevor sie verletzt wird. Und Geschäftsgeheimnisse, bevor sie das Unternehmen verlassen haben.
Fortschritt braucht Grenzen
Wetzlich wird die Entwicklung von Smart Glasses weiterhin mit großem Interesse verfolgen. Das Unternehmen sieht in der Technologie großes Potenzial und erwartet, dass sie künftig in vielen Bereichen selbstverständlich werden könnte.
Gerade deshalb hält Wetzlich es für notwendig, frühzeitig darüber zu sprechen, wo ihre Grenzen liegen sollten.
Denn technischer Fortschritt braucht gesellschaftliche Akzeptanz. Akzeptanz entsteht durch Vertrauen. Und Vertrauen braucht klare Regeln.
Dafür steht NoAI.
NoAI – weil Privatsphäre sichtbar geschützt werden sollte.
Quellenangaben:
¹ HateAid, Pressemitteilung vom 12. August 2026: „Big Brother auf deiner Nase: HateAid stellt Strafanzeige gegen Meta wegen Smart Glasses“. Pressemitteilung bei HateAid