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Gutes Sehen im Straßenverkehr

Interview: „Vor-Sicht ist besser als Nacht-Sicht!“

Gutes Sehen ist ein wesentlicher Faktor für die Sicherheit im Straßenverkehr

Der dritte Samstag im Juni gehört wie jedes Jahr dem Tag der Verkehrssicherheit, der seit vielen Jahren vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat initiiert wird. Nach wie vor sterben pro Jahr rund 3.000 Menschen im Straßenverkehr in Deutschland! Das können der 17. Juni 2023 und der Tag der Verkehrssicherheit nicht ändern, aber es ist eine Gelegenheit, die Bedeutung der Verkehrssicherheit für uns alle im Alltag herauszustellen.

Ein wesentlicher Faktor für die Sicherheit im Straßenverkehr ist das Sehen: Der Berufsverband der Augenärzte schätzt, dass jährlich 300.000 Unfälle passieren, weil Verkehrsteilnehmer nicht ausreichend gut sehen. Insbesondere schlecht sehende Autofahrer tragen zu dieser enormen Zahl verursachter Unfälle bei. Es gibt zwar derzeit noch kein Gesetz, dass vorschreibt, wie oft Autofahrer zum Sehtest müssen, aber die Fahrerlaubnisverordnung legt zumindest fest, dass jeder Fahrzeugführer sicherstellen muss, dass er fahrtüchtig ist.

Fahrtüchtig ist, wer eine Mindestsehschärfe von 70 Prozent erreicht, was beim Führerscheinsehtest vor dem Erwerb des Führerscheins einmal im Leben nachgewiesen werden muss. Eine Mitschuld trifft aber zumindest denjenigen, der wissentlich schlecht sehend einen Unfall verursacht. Geahndet wird das mit Verwarn- und  Bußgeld, aber auch mit Punkten – doch das nützt den Unfallopfern nichts mehr.

Wer ohne Brille oder Kontaktlinsen am Steuer sitzt, obwohl das im Führerschein vermerkt ist, zahlt mindestens ein Verwarngeld. Bei Verkehrsgefährdung durch Fahruntauglichkeit droht grundsätzlich aber auch Fahrverbot, und wer infolge mangelnden Sehvermögens Menschen oder fremde Sachen gefährdet, kann sogar mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren verurteilt werden. Außerdem steht auch der Versicherungsschutz auf dem Spiel.

Gründe, auf sein Sehvermögen zu achten, gibt es genug. Doch im Straßenverkehr ist es eine Pflicht, auch ohne eine diesbezüglich derzeit geltende Gesetzgebung. Anlässlich des Tages der Verkehrssicherheit gibt uns Wetzlich-Geschäftsführer Florian Gisch die wesentlichen Aspekte des guten Sehens im Straßenverkehr im Interview an die Hand.

"Vor-Sicht ist besser als Nacht-Sicht!"

Ein Interview von Ingo Rütten, Partnerauge mit Florian Gisch, Wetzlich Optik-Präzision GmbH

Gutes Sehen im Straßenverkehr

Ingo Rütten: Florian, häufig wissen die Leute gar nicht, dass sie eigentlich besser sehen könnten. Inwiefern nehmen aber vermeintlich kleinere Änderungen der Brillenglaswerte Einfluss auf die Verkehrssicherheit?

Florian Gisch: Bei den Hyperopen (Pluswerte) sind geringe Stärkenänderungen noch nicht weiter problematisch, da jedes Auge noch 0,25 bzw. 0,50 Dioptrien durch Akkommodation ausgleichen kann – sofern es noch nicht am Grauen Star operiert wurde! Neben einer höheren Anstrengung der Augen ist hier aber noch mit keiner Einschränkung des Sehens zu rechnen. Bei Minuswerten sieht das jedoch anders aus, da das Auge diese nicht ausgleichen kann. Bereits -0,50 Dioptrien heißt nichts anderes als eine um etwa 50 Prozent verschlechterte Sehleistung. Kurzum: Damit stellst du für dich und andere ein erhebliches Verkehrsrisiko dar.

Ingo Rütten: Demnach müssten aber doch alle Menschen nachts im Auto eine Brille tragen, Stichwort Nachtblindheit?

Florian Gisch: Nicht ganz, aber zumindest würden es viele als deutliche Entlastung ansehen. Das Auge benötigt im Dunkeln meist ungefähr -0,25 Dioptrien als Unterstützung, weil es nicht in der Lage ist, selbst eine Anpassung zu leisten. Nachts kommen jedoch noch andere Faktoren hinzu, wie das insbesondere von LED- und Xenon-Scheinwerfern wahrgenommene blaue Streulicht. Die beschriebene Nachtblindheit ist meist eine Kombination aus beidem – für beides gibt es Lösungen beim Augenoptiker.

Ingo Rütten: Ist jede Brille im Straßenverkehr nacht- und tagfahrtauglich?

Florian Gisch: Kurzum: Nein. Überhaupt nicht tauglich im Straßenverkehr sind alle Arten von Lese- und Officebrillen, da sie das Sehen in der Ferne gar nicht zum Ziel haben. Besonders dunkle Sonnenbrillen (mit mehr als 93 % Tönung) sind auch völlig ungeeignet und verboten im Straßenverkehr. Auch einzelne Farben (Kantenfilter), die Signalfarben verändern, dürfen nicht eingesetzt werden. Nachts ist Vorsicht geboten bei leicht getönten Gläsern, maximal dürfen diese 19 Prozent Tönung aufweisen, um als nachtfahrtauglich zu gelten.

Ingo Rütten: Also darf man mit Sonnenbrillen nach Sonnenuntergang kein Auto fahren!

Florian Gisch: Völlig richtig! Auch, wenn das manchmal vielleicht verführerisch zu sein scheint, wenn man seine Brille vergessen hat. „I wear my sunglasses at night“ mag nahezu überall möglich sein, aber bitte nicht im Auto.

Ingo Rütten: Derzeit gibt es die Diskussion um eine zu wiederholende Führerscheinprüfung im Alter. Schlechtes Sehen alleine ist nicht der Grund für die Debatte, aber es ist häufig ein Grund, warum ein älterer Mensch die Prüfung nicht mehr bestehen würde, obwohl er seit 50 Jahren Auto fährt.

Florian Gisch: Ich möchte das an der Stelle nicht zu negativ bewerten: „Nicht bestehen“ heißt für mich zunächst nur „schlecht sehend bzw. unkorrigiert nicht bestehen“. Dass ein Führerscheinsehtest von vor 50 Jahren wohl kaum mehr Aussagekraft hat, sollte jedem klar sein. In den meisten Fällen ist es also wahrscheinlich schon damit getan, eine Brille mit der aktuellen Sehstärke aufzusetzen, um den Test erfolgreich zu bestehen.

Es kommen aber natürlich gewisse Alterungserscheinungen hinzu, auch das Auge altert. Ein Beispiel: Bei einem 70-jährigen Autofahrer kann sich unbemerkt ein Grauer Star ausgebreitet haben, wodurch die Sehschärfe aufgrund der langen Zeit der Entwicklung unbemerkt abgefallen sein kann. Das Gute: auch hier kann man etwas tun, um die Verkehrstauglichkeit wiederherzustellen.

Ingo Rütten: Warum wird trotzdem seit zig Jahren darüber diskutiert, ob es einen regelmäßigen verpflichtenden Sehtest für Autofahrer geben sollte? Und warum kommt es nicht dazu?

Florian Gisch: Das kann man nur die Politik fragen, denn hier könnte man wirklich Menschen schützen. Ein regelmäßiger Sehtest für alle Verkehrsteilnehmer kann Leben retten.

Ingo Rütten: Beim Thema Sehen im Straßenverkehr und Führerschein kommt häufig das Argument der Altersdiskriminierung auf. Warum ist das aber gar kein Thema allein für ältere Menschen?

Florian Gisch: Weil sich die Sehstärke ständig verändert. Nur, weil man einmal mit 17 Jahren den Führerscheinsehtest bestanden hat, sagt das trotzdem nunmal nichts über den Zustand der Augen zehn Jahre später aus. Der Vorwurf der Altersdiskriminierung passt jedoch in unsere Cancel-Culture, der ich mich so gar nicht anpassen will. Nach dieser Logik müssten wir auf Alkoholkontrollen verzichten, um Alkoholiker nicht bezüglich ihres Führerscheins zu diskriminieren – die wollen ja auch nicht auf ihr Auto verzichten. Es geht aber um eine rein sachliche Feststellung: Ist der Fahrer eines Fahrzeugs fahrtauglich oder nicht?

Ingo Rütten: Das Thema Alkohol am Steuer ist geregelt, aber das schlechte Sehen am Steuer offensichtlich nicht. Warum regen wir uns nicht stärker darüber auf, dass viele Menschen nicht ausreichend gut sehend die Sicherheit auf der Straße für alle am Verkehr beteiligten Menschen gefährden?

Florian Gisch: Wahrscheinlich deshalb, weil es niemand prüft und somit gar keine Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist. Auch ich kenne Leute, bei denen ich mich nach ein paar gemeinsamen Bieren lieber ins Auto setzen würde, als bei dem ein oder anderen Fehlsichtigen ohne Brille. Ich mache das nicht, aber das veranschaulicht, wie unterschiedlich mit dem beiden Themen umgegangen wird.

Ingo Rütten: Warum gibt es noch nicht einmal die Pflicht, eine Ersatzbrille im Auto dabei haben zu müssen?

Florian Gisch: Wahrscheinlich, weil wir zuerst einmal froh sein müssen, wenn jeder eine Brille in der richtigen Sehstärke auf der Nase trägt, wenn er ein Auto fährt. Ich weiß, Sarkasmus ist keine Lösung, hilft aber manchmal, Dinge einzuordnen.

Ingo Rütten: Wie steht es um Menschen mit Farbschwächen oder Farbenblinde, sind sie eine Gefahr im Straßenverkehr?

Florian Gisch: Neben der Tatsache, dass es dazu einschlägige Regelungen gibt, ist meine persönliche Meinung, dass ich mich 10-mal lieber zu einem Farbenblinden mit richtiger Sehstärke als Beifahrer ins Auto setzen würde als zu einem Kurzsichtigen mit etwa -3,0 Dioptrien, der keine Brille trägt. Ja, das gibt es! Dieser Mensch sieht zwar alle Farben – aber er sieht sie hinter der Windschutzscheibe in der Ferne ausschließlich stark verschwommen.

Ingo Rütten: Es gibt auch Leute am Steuer, die sehen gut, können aber nur eingeschränkt oder langsam reagieren. Was ist aus deiner Sicht wichtiger im Auto: Gutes Sehen oder eine gute Reaktionsfähigkeit?

Florian Gisch: Ohne das gute Sehen kann man auch nicht schnell reagieren. Das eine bedingt das andere. Schlechtes Sehen beinträchtig die Reaktionsschnelligkeit. Also: Das Sehen, aber beides ist nötig.

Ingo Rütten: Du hast die Blendung im Zusammenhang mit der Nachtblindheit schon erwähnt, aber welche Rolle spielt sie grundsätzlich im Auto? Häufig werden die tiefstehende Sonne oder entgegenkommenden Fahrzeuge mit blendenden LED-Scheinwerfern als Unfallgrund genannt?

Florian Gisch: Ja, das stimmt, das sind aber auch beides Themen, gegen die man durchaus etwas tun kann – die Fachleute in den Augenoptikbetrieben geben hier wertvollen Rat. Eine polarisierende Sonnenbrille bzw. DriveWear-Gläser bei Tag wirken zum Beispiel wahre Wunder. Und nachts reduzieren UV420-Gläser das blaue Streulicht und somit die Blendung. Wie sagt man so schön: „Vor-Sicht ist besser als Nacht-Sicht!“

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